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Kolorierter Kupferstich von Magdeburg aus dem 16. Jahrhundert, ein Lupenausschnitt zeigt die feinen Stichlinien der Bebauung vergrößert

Was ist mein alter Stich wert?

Ein gerahmter Stich vom Dachboden, ein Blatt aus dem Nachlass der Großeltern, ein Fund auf dem Flohmarkt: Die Frage nach dem Wert kommt fast immer zuerst. Diese Seite gibt Ihnen […]

Kolorierter Kupferstich von Magdeburg aus dem 16. Jahrhundert, ein Lupenausschnitt zeigt die feinen Stichlinien vergrößert
Magdeburg im kolorierten Kupferstich aus Braun und Hogenbergs Städtebuch. Ein Blatt wie dieses hängt in vielen Haushalten – und wirft genau die Fragen auf, um die es hier geht: Welche Technik? Ist die Farbe zeitgenössisch? Wie viele wurden gedruckt? Der Lupenausschnitt zeigt, woran sich die Technik ablesen lässt.

Ein gerahmter Stich vom Dachboden, ein Blatt aus dem Nachlass der Großeltern, ein Fund auf dem Flohmarkt: Die Frage nach dem Wert kommt fast immer zuerst. Diese Seite gibt Ihnen eine ehrliche Einordnung – kein Gutachten, aber die Kriterien, nach denen Fachleute urteilen, und eine realistische Vorstellung davon, was Sie erwarten können.

Die unbequeme Antwort zuerst

Die allermeisten historischen Druckgrafiken, die in deutschen Haushalten hängen, haben einen Marktwert zwischen 10 und 50 Euro. Das liegt nicht an mangelnder Qualität, sondern an der Auflage: Stahlstiche des 19. Jahrhunderts stammen überwiegend aus Sammelwerken wie Meyers Universum, den Ansichtenwerken von Payne oder Lange. Diese Bände erschienen in Zehntausenden Exemplaren, und jedes enthielt dieselben Blätter.

Das macht sie nicht wertlos – nur eben nicht selten. Der ideelle Wert eines Blattes, das die Heimatstadt der Familie im Jahr 1850 zeigt, ist oft ungleich höher als der Betrag, den ein Händler zahlen würde.

Woran der Wert tatsächlich hängt

1. Die Technik

Halten Sie das Blatt gegen das Licht und sehen Sie es unter einer Lupe an. Ein Kupferstich oder eine Radierung zeigt eine leicht erhabene Linie und meist eine sichtbare Plattenkante – den Abdruck der Druckplatte im Papier. Beim Stahlstich sind die Linien feiner und gleichmäßiger, oft mit dichter Schraffur in den Schattenpartien. Der Holzstich zeigt keine Plattenkante, dafür weiße Linien im schwarzen Grund. Die Lithografie wirkt weicher, körniger, ohne eingedrückte Linien.

Fehlt jede Struktur und erkennen Sie unter der Lupe ein regelmäßiges Punktraster, halten Sie einen modernen Nachdruck in der Hand – dann ist die Wertfrage geklärt.

2. Original oder Reproduktion

Entscheidend ist, ob der Druck selbst das Kunstwerk ist oder nur ein Gemälde wiedergibt. Eine vom Künstler geschaffene Radierung ist etwas anderes als ein Stahlstich, der ein Ölbild reproduziert. Reproduktionsgrafik des 19. Jahrhunderts war Massenware – das war ihr Zweck: Bilder verbreiten, bevor es Fotografie im Druck gab.

3. Der Zustand

Hier entscheidet sich am meisten. Wertmindernd sind vor allem:

  • Beschnittener Rand. Wurde das Blatt für einen Rahmen zugeschnitten und ist die Plattenkante weg, sinkt der Wert erheblich – oft um die Hälfte.
  • Stockflecken. Die braunen Punkte entstehen durch Schimmelpilze bei feuchter Lagerung. Sie lassen sich fachlich entfernen, was aber meist mehr kostet, als das Blatt wert ist.
  • Lichtschäden. Vergilbtes Papier und verblasste Linien durch jahrzehntelange Sonneneinstrahlung sind nicht rückgängig zu machen.
  • Aufziehen auf Karton. Wurde das Blatt vollflächig verklebt, gilt es unter Sammlern als beschädigt.
  • Risse und Fehlstellen, besonders innerhalb der Darstellung.

4. Motiv und Nachfrage

Eine Ansicht von Dresden oder Köln findet leichter einen Käufer als ein namenloses Flusstal. Lokalbezug schafft Nachfrage: Blätter, die eine kleinere Stadt zeigen, werden oft von Menschen aus genau dieser Stadt gesucht – dort liegt der Markt, nicht im überregionalen Handel.

5. Kolorierung

Zeitgenössisch kolorierte Blätter sind wertvoller als später kolorierte. Erkennbar ist das an der Farbe selbst: Alte Kolorierung liegt dünn und leicht ungleichmäßig auf, folgt den Linien und ist in den Vertiefungen etwas dichter. Moderne Kolorierung wirkt gleichmäßiger und oft kräftiger.

Wann sich ein Gutachten lohnt

Eine fachliche Bewertung kostet in der Regel zwischen 50 und 150 Euro. Das lohnt sich, wenn Sie Anhaltspunkte für einen höheren Wert haben: eine Künstlersignatur in Blei unterhalb der Darstellung, eine Auflagennummerierung, ein Blatt vor dem 18. Jahrhundert, ein ungewöhnlich großes Format oder ein Motiv, das Sie nirgends wiederfinden. Auch bei Erbauseinandersetzungen und Versicherungsfragen führt kein Weg daran vorbei.

Ansprechpartner sind öffentlich bestellte Kunstsachverständige über die Industrie- und Handelskammern, Auktionshäuser mit Grafikabteilung – die bewerten kostenlos, wenn Sie eine Einlieferung erwägen – und die Grafikkabinette großer Museen, die bei der Bestimmung von Technik und Herkunft weiterhelfen, ohne Preise zu nennen.

Selbst einschätzen: ein erster Anhaltspunkt

Suchen Sie den Titel des Blattes zusammen mit dem Namen des Stechers – beides steht meist unterhalb der Darstellung – in den Ergebnislisten von Auktionsplattformen. Interessant sind nicht die Angebotspreise, sondern die erzielten Zuschläge. Was tatsächlich gezahlt wurde, ist der einzige belastbare Maßstab. Findet sich Ihr Blatt dort in großer Zahl, haben Sie Ihre Antwort.


Wenn das Blatt beschädigt ist

Viele historische Grafiken sind vergilbt, stockfleckig oder eingerissen – und eine Restaurierung des Originals lohnt sich selten. Genau daraus ist unsere Arbeit entstanden: Wir sichten historische Vorlagen, bereiten sie sorgfältig auf und drucken sie auf Büttenpapier neu, damit das Motiv wieder wirkt. Über 240 solcher Motive finden Sie in unserem Bestand, sortiert nach Städten und Themen.

Sie haben eine Vorlage, die Sie so aufbereitet haben möchten? Schildern Sie uns Ihr Anliegen über die Anfrage für individuelle Drucke oder rufen Sie an: 0391 5846520.

Hinweis: Diese Seite gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Wertermittlung im Einzelfall. Wir erstellen keine Gutachten und kaufen keine Blätter an.

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